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Kulturelle Voraussetzungen für agile Lernprozesse

In den letzten Beiträgen beschrieben wir, was agiles Lernen eigentlich bedeutet. In dieser Blogserie wollen wir Ihnen zeigen, welche kulturellen Voraussetzungen in der Organisation erfüllt sein sollten, um agiles Lernen überhaupt zu ermöglichen. Denn agiles Lernen heißt anders lernen.
Neben der Neugierde und Gestaltungslust der Teilnehmer braucht es zusätzliche Kompetenzen. Die Organisation und das Umfeld sollten bereit sein, nicht nur das Lernen zu ermöglichen, sondern auch die durch das Lernen bedingten Veränderungen im eigenen Bereich zu akzeptieren, ja sogar zu begrüßen. Dafür entwickelten wir Prozipien für agiles Lernen.

Agile Prinzipien angewendet auf Lernprozesse

Auf Grundlage der agilen Prinzipien (Iteration, Transparenz, Feedback, Fokussierung, Eigenverantwortung) sowie des Erfolgsdreiecks des nachhaltigen Lernens nach Prof. Gerald Hüther ergeben sich folgende Prinzipien des agilen Lernens:
Kommunikation ist Lernen
Wir nehmen das Lernen aus dem Fokus und legen ihn auf die Kommunikation. Das heißt, wenn Menschen miteinander sprechen lernen sie.
Lernen ist ein iterativer Prozess:
Es kann nicht sein, dass man in einem Seminar drei Tage etwas lernt und das war’s dann. Lernen geschieht über einen längeren Prozess.
Lernen ist selbstbestimmt
Nur wenn die Mitarbeiter lernen wollen, funktioniert es. Wenn Menschen nicht wollen, werden sie auch nicht lernen, bzw. lange nicht so erfolgreich lernen.
Situationen fokussieren das Lernen
Ein Mitarbeiter ist z. B. beim Kunden oder sitzt an seiner Arbeit. Jetzt braucht er Informationen oder hat ein Problem, d. h. jetzt muss er etwas Neues lernen. Nicht mehr der Lernplan ist ausschlaggebend sondern die individuelle Situation des Mitarbeiters. Die höchste Form des Lernens findet dann statt, wenn es die höchste Bedeutsamkeit hat.
Lernen ist individuell
Jeder lernt anders. Die eine möchte ein Buch lesen, der andere möchte ein Video sehen. Im agilen Lernen muss Information redundant über verschiedene Medien bereitgestellt werden.
Lernen findet zu jeder Zeit statt
Die höchste Bedeutsamkeit hat das Lernen normalerweise nicht, wenn das entsprechende Seminar anberaumt ist, sondern wenn der Lernende sich die Zeit dazu nimmt. Dies ist häufig nicht untertags in der Firma, sondern abends oder unterwegs.
Lernen findet im Kollektiv statt
In der Gemeinschaft lässt sich wesentlich besser lernen als alleine.

Doch wie es schon Berthold Auerbach sagte: „Eine Idee muss Wirklichkeit werden können, oder sie ist nur eine eitle Seifenblase.“

In unseren Akademie-Projekten lernten wir, dass diese Prinzipien nicht überall fruchten. Manche Akademien mussten wieder geschlossen werde.

In dieser Blogserie werden zwei Projekte beschrieben, bei denen die Umsetzung agiler Lernprozesse einmal gelang und einmal misslang. Die Bereitschaft für agiles Lernen (Socialized Learning Readiness) wird mit den Erkenntnissen der wertebasierten Entwicklung von Gesellschaften nach C.W. Graves in Verbindung gebracht. So entsteht ein Verständnis darüber, wann die Umsetzung agiler Lernkonzepte in Organisationen möglich und sinnvoll ist.

Die Autoren

 

Kristina Henry

Meditorin, Streitsucherin und Chaoslotsin,
Mitglied im mindHub Kompetenznetzwerk

 

 

 

Markus Schwarzgruber

ist seit 30 Jahren als Berater, Coach und Trainer mit den Schwerpunkten Führen und Neues Lernen aktiv, Mitglied im mindHub Kompetenznetzwerk

Kulturelle Voraussetzungen für agile Lernprozesse

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